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Taubblinde

Wir sehen, wir hören, wir fühlen und wir schmecken all dieses, ganz selbstverständlich. Geräusche und Empfindungen ziehen in unserem Alltag unbewusst an uns vorbei. Aber wie wäre es, wenn wir die Sonne oder die Vögel nicht sehen und auch nicht hören können? Unvorstellbar? Wie lebt jemand, der taub oder blind oder beides ist? Der Bereich Wohnen für Menschen mit Taubblindheit umfasst Beratung, Assistenz und Förderung für Menschen mit Taubblindheit bzw. Hörsehbehinderung und zusätzlichen Behinderungen. Sie haben einen hohen Unterstützungsbedarf im Erwerb einer alternativen, nicht sprachlichen Kommunikation sowie in der räumlichen und zeitlichen Orientierung.

Wie alles begann

Vor 130 Jahren stand das kleine zehnjährige Mädchen Hertha Schulz mit ihrer Mutter hier im Oberlinhaus vor der Tür. Durch einen Treppensturz und eine anschließende Gehirnhautentzündung hatte sie ihre Sehkraft und ihr Gehör verloren. Innerhalb weniger Wochen wurde aus einem gesunden Kind ein Mädchen, das lebenslang auf Unterstützung angewiesen war. Mit der kleinen Hertha begann die Taubblindenarbeit im Oberlinhaus. Heute leben in der nach ihr benannten Wohnstätte bis zu 20 Kinder und Jugendliche mit ähnlichen Erkrankungen.

So zum Beispiel Finn. Er wurde 2012 geboren und hatte es in seinem bisherigen Leben nicht leicht. Erst jetzt fängt er zögerlich mit dem Krabbeln an. Bis heute spricht Finn nicht, Hörgeräte lehnt er ab. Er hat viele gesundheitliche Probleme. Dass er durch eine Sonde ernährt werden muss, ist nur eine Unannehmlichkeit, die der kleine Mann ertragen muss. Eine komplexe Mehrfachbehinderung wird ihn sein Leben lang einschränken.
Er wird immer auf Unterstützung angewiesen sein. Als Finn in die Wohnstätte für taubblinde, hörsehbehinderte Kinder und Jugendliche zog, fehlte ihm, auch bedingt durch die Lebensumstände, jegliche Motivation. Jetzt, nach fast vier Jahren, fühlt er sich sehr wohl und genießt die Aufmerksamkeit, die er hier bekommt. Am liebsten spielt er im Bällebad und tummelt sich in den kleinen gelben Überraschungseiern. Dann strahlen seine Augen vor Freude.

Um Finns Sinne weiter anzuregen, möchten wir gern eine Klangliege erwerben. Eine Klangliege vibriert im Rhythmus der Musik. Durch den Ganzkörperkontakt auf der Liege können Kinder wie Finn die Töne
als Bewegung wahrnehmen. Die Musik geht dann wortwörtlich durch alle Fasern des Körpers und regt die verbliebenen Sinne an.

Auch Samantha lebt im Hertha-Schulz-Haus. Sie sitzt auf dem Wasserbett, die Beine sind unter ihrem Körper eng verschränkt. Schuhe und Strümpfe hat sie mit Schwung ausgezogen und hinter sich geworfen.
Die wird die Mitarbeiterin nachher wieder zusammen suchen müssen. Das Mädchen lächelt. Samantha ist taubblind. Sie kann nicht hören und sprechen und sieht nur wenig. Das Mädchen spürt die Musik, die aus den Boxen unter dem Bett vibriert. Sie hat dabei sichtliches Vergnügen. Hier kann sie ganz für sich sein und schiebt jeden weg, der sie vom Bett holen will. Bis sie selbst genug hat.

Um ihr weitere Anregungen zu bieten, sollen über dem Bett noch Lichtquellen angebracht werden: ein Lichtbaldachin und eine Lichtdusche. Hierüber freuen sich Kinder wie Samantha, die einen Sehrest haben und gern in blinkende und sich bewegende Lichter schauen. Das entspannt sie und regt sie an, ihre Restsehfähigkeit zu nutzen.

 

Taubblind im Babelsberger Kiez

Das Eckard-Beyer-Haus ist die Wohnstätte für taubblinde, hörsehbehinderte Erwachsene. Das ehemalige Siedlerhaus wurde Anfang des letzten Jahrhunderts als erstes Taubblindenhaus Deutschlands
eröffnet. Schon 1912 wurde es nochmals erweitert. Die Arbeit mit taubblinden Menschen im Oberlinhaus hatte sich herumgesprochen und so wurde bald mehr Platz benötigt. Es wohnen heute
45 Erwachsene in diesem individuell angepassten Lebensumfeld. In den Wohngruppen leben Menschen mit Taubblindheit, Hörsehbehinderung und weiteren Unterstützungsbedarfen. Alles im Eckard-Beyer-Haus und in der heilpädagogischen Arbeit der Mitarbeitenden ist auf die Bedürfnisse der Bewohner abgestimmt. Die Betreuung, Förderung und Begleitung erfolgt gleichermaßen auf der Basis eines wertschätzenden und empathischen Miteinanders. Durch die zentrale Lage der Wohnstätte sind die Bewohner Teil des Babelsberger Kiezes. Sie sind vielleicht nicht hier geboren, aber sie sind Babelsberger. Mit den Mitarbeitenden sind sie täglich in der Stadt unterwegs, gehen einkaufen, besuchen Gaststätten, gehen ins Kino und ins Strandbad, spazieren und picknicken im Park, fahren mit Straßenbahn, Bus, S-Bahn, Wassertaxi und Dampfer.
Man kennt sich und nimmt Rücksicht. So zum Bespiel der Supermarkt unweit der Wohnstätte. Die Bewohner und Mitarbeitenden der Wohnstätte haben vor vielen Jahren entschieden, sich, bis auf
die Mittagsmahlzeit, selbst zu verpflegen. Selbst zu bestimmen, was man essen möchte, scheint für uns alle selbstverständlich. Auch für die Bewohner ist dies mittlerweile selbstverständlich und steigert ihre Lebensqualität. Regelmäßig wird seitdem der Supermarkt aufgesucht. Da das Drehkreuz am Eingang eine große Barriere für die Bewohner des Oberlinhaus darstellte, wurde es von der Marktleitung entfernt.

 

Neue Wege gehen

Vor kurzem konnten, im Herzen von Babelsberg, unweit des Oberlinhaus, weitere neue Räumlichkeiten in Besitz genommen werden: ein kleiner Kiezladen. Er ist fußläufig von der Wohnstätte erreichbar. Die
Bewohner, die aufgrund ihrer komplexen Beeinträchtigung nicht in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeiten können, werden dort im Rahmen der Tagesförderung betreut und gefördert.
Es wird mit Holz, Ton und Papier gearbeitet, es wird gekocht, gebacken, mit Filz gearbeitet und es werden Kerzen gegossen. Der Weg dorthin führt durch unseren Sinnesgarten. Somit ist auch der Kiezladen, wie der Sinnesgarten, ein weiterer Schritt, um noch sichtbarer in Babelsberg zu werden. Die Türen stehen offen. Fühlen Sie sich eingeladen, Sie sind immer willkommen.
Für manche unserer Bewohner ist der Weg aus der Wohnstätte eine große Herausforderung. Neue Wege werden von vielen Ängsten begleitet. Nicht selten liegt deren Ursache in der Kindheit und Jugend.
Wer keine körperliche Nähe und Berührungen bis ins junge Erwachsenenalter kennengelernt hat, sondern aufgrund seiner Erkrankung seinen Alltag in geschlossenen Räumen verbringen musste und dort
ruhiggestellt wurde, ist heute oft nur schwer zu motivieren. Einen Fußweg von etwa 10 Minuten zurückzulegen, kann daher für Bewohner und Mitarbeitende eine große Belastungsprobe sein. Oft müssen viele
Pausen gemacht werden, bis das Ziel erreicht wird. Es bedarf eines sehr großen Einfühlungsvermögens und jeder Menge Geduld der Mitarbeitenden, jeden Tag aufs Neue einzelne Bewohner zu motivieren, die
Wohnstätte zu verlassen.

 

Der Bedarf an Kompetenz steigt


Wie schon Anfang des letzten Jahrhunderts erhält die einzigartige Arbeit, die hier geleistet wird, immer wieder großen Zuspruch. Der Bedarf an Plätzen steigt, die Kompetenz der Fachkräfte ist gefragt.
Doch was wird aus den taubblinden, hörsehbehinderten Kinder und Jugendlichen des Hertha-Schulz-Hauses, wenn sie erwachsen geworden sind? Es braucht neue Formen der Begleitung. Der Bedarf an Unterstützung hört im jungen Erwachsenenalter nicht auf. Sie sind ihr Leben lang auf Assistenz durch Fachkräfte angewiesen. Weil der Bedarf ständig steigt, wird derzeit das ehemalige Feierabendhaus
der Diakonissen umgebaut. Wenn die Arbeiten im Sommer 2017 abgeschlossen werden, sind weitere 12 Plätze für taubblinde, hörsehbehinderte Menschen entstanden.

 

Ihre Unterstützung macht uns Mut


Unsere neuen Bewohner sollen sich heimisch fühlen. Auch mit einem Raum, der Entspannung und Wohlgefühl bietet, möchten wir dies unterstützen. Ausstatten wollen wir diesen Raum mit einem Wasserbett,
einer Massageliege und einer Musikinsel. Die sanften Schwingungen eines warmen Wasserbettes, lösen auch bei taubblinden, hörsehbehinderten Menschen ein sehr wohliges Gefühl aus. Nicht hörend und sehend wird dieses Erlebnis von ihnen zum Beispiel intensiv über die Hände oder den Bauch wahrgenommen. Sie fühlen vielleicht ein Kribbeln im Bauch und spüren den Windzug beim Schaukeln. Auch Musik kann ein taubblinder,
hörsehbehinderter Mensch spüren. Durch das Ertasten der Boxen nimmt er die Vibration auf. Mit einer Massageliege, speziell an die Bedürfnisse der Bewohner angepasst, wollen wir den Raum der Entspannung ergänzen.

Dank der Unterstützung der vielen Freunde des Oberlinhaus konnten und können wir Ideen umsetzen, die die Lebensqualität der Bewohner steigert.
Das macht uns Mut. So bitten wir Sie auch heute wieder um Ihre Unterstützung.

 

Spendenkonto Oberlinstiftung
Evangelische Bank eG
IBAN: DE86 5206 0410 0008 0229 76
BIC: GENODEF1EK1
Stichwort: Eckhard-Beyer-Haus, Hertha-Schulz-Haus, Taubblinde

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